Mehr als eine Frage der Technik. Über die vielen Aspekte von digitalen Kompetenzen.

von | 5. Jul 2023 | Digitalisierung

Oft, wenn es um digitale Kompetenzen geht, scheint es so, als würden viele nur an Programmieren oder technisches Verständnis gehen. Und ja, es hilft zu verstehen wie Programme aufgebaut sind, worauf Programmierer*innen achten, wie die Technik funktioniert. Aber das ist nicht alles.

Es gibt unterschiedliche Betrachtungsweisen, wie digitale Kompetenzen erfasst werden können. Allen ist gemein, dass sie unterschiedliche Perspektiven zusammenführen. Das Frankfurter Dreieck (Weich 2019), zum Beispiel, verbindet den Blick auf die Technik mit gesellschaftlichen Wechselwirkungen und die Handlungen der einzelnen Menschen (Interaktion; siehe Abbildung 1). Konkreter gesagt, geht es einerseits darum, wie digitale Anwendungen modelliert sind – sowohl aus informatischer Perspektive als auch in ihrer Form als Medium. Die Art und Weise wie digitale Anwendungen gestaltet sind und genutzt werden, hängt auf einer anderen Eben auch damit zusammen, in welchen Kontext diese eingebunden sind. Daher zählen auch die Analyse, Reflexion und Gestaltung von gesellschaftlichen und kulturellen Wechselwirkungen mit den digitalen Anwendungen zu den Digitalen Kompetenzen. Zusätzlich ist es auch wesentlich, wie einzelne Menschen die digitalen Anwendungen und Medien nutzen können und ihre Handlungen an die Funktionsweise von digitalen Technologien oder deren Bedeutung anpassen. Auch die Frage, wie digitale Werkzeuge oder Anwendungen die Persönlichkeitsentwicklung von Menschen – von der Kindheit bis ins hohe Alter – mit beeinflusst, zählt zu dieser Dimension.

Für Pädagog*innen bedeutet dies, dass die Auseinandersetzung mit digitaler Bildung nicht nur eine Frage des Programmierens ist. Vielmehr braucht es bei digitaler Bildung neben technischen Kompetenzen und Informationsmanagement auch Kommunikationskompetenzen, kritisches Denken und Problembewusstsein. Auch das kreative Zusammenarbeiten mit anderen, eine Wahrnehmung und Wissen über ethische und kulturelle Fragen gehören dazu (van Laar, et al., 2017). Und vieles davon lässt sich auch schon mit Kindern spielerisch erarbeiten.

Gerade Fragen zum sicheren, die eigene Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung fördernden Umgang mit digitalen Anwendungen kann somit auch in der Elementar-Pädagogik spielerisch erlernt werden. Man kann bspw. mit Kindern Regeln erarbeiten, wann das digitale Gerät, wie das Handy oder Tablet, nicht genutzt werden soll. Was fotografiert werden darf und was nicht. Dass man auch nein zu einem Foto sagen darf oder mitteilt, dass man nicht will, wenn es ins Internet gestellt wird, oder ähnliches. Kinder sind von Digitalität umgeben, und es kann ihrer Persönlichkeitsentwicklung helfen, wenn sie – spielerisch – mit anderen Kindern lernen, dass sie diese Umwelt und die Umgangsregeln mitgestalten können. Dass es hilfreich sein kann, Grenzen zu setzen, eigene Bedürfnisse wahr zu nehmen. Oder, dass spielerisch mit anderen Kindern gemeinsam eine neue Nutzungsweise für die digitalen Werkezeuge entdeckt werden oder ein Spiel gestaltet werden kann, … was auch immer ihre Fantasie hergibt. Denn digitale Bildung heißt auch, sich in einer zunehmend digitalisierten Welt das Kind-Sein bewahren zu können und dennoch sicher, selbstbestimmt und solidarisch die Vorteile der digitalen Welt nutzen zu können. Und das ist mehr als eine Frage der Technik.

Quellen:

  • Weich, Andreas. „Das ‚Frankfurt-Dreieck‘“. Medienimpulse, 21. Juli 2019, Bd. 57 Nr. 2 (2019): 2/2019 Freies Heft. https://doi.org/10.21243/MI-02-19-05.
  • Laar, Ester van, Alexander J.A.M. van Deursen, Jan A.G.M. van Dijk, und Jos de Haan. „The Relation between 21st-Century Skills and Digital Skills: A Systematic Literature Review“. Computers in Human Behavior 72 (Juli 2017): 577–88. https://doi.org/10.1016/j.chb.2017.03.010.

Bildquelle: Weich 2019, S. 8