Wenn Mama und Papa ’nein‘ sagen – Digitalisierung und Elternarbeit

von | 27. Jun 2023 | Elternarbeit

„Der medienfreie Raum Kindheit ist Illusion“ (Theunert & Demmler, 2007: 92).

Kinder wachsen mit digitalen Medien auf und brauchen Unterstützung beim geeigneten und alterskonformen Umgang mit diesen (Altenthan et al., 2014; Neuß, 2017). Doch was passiert, wenn Eltern eine Medienerziehung im Kindergarten ablehnen?

Sorge der Eltern

Zunächst gilt es die Sorge der Eltern ernst zu nehmen: Es ist oftmals schwierig zwischen Nutzen und Gefahren digitaler Medien zu unterscheiden, speziell da Kinder je nach Entwicklungsstand unterschiedliche Bedürfnisse haben. Dazu kommt, dass die Eltern oft selbst Schwierigkeiten damit haben, ihr Smartphone wegzulegen. Den Eltern sollte daher zunächst die Angst vor einem übermäßigen Konsum in der Bildungseinrichtung genommen werden. Eine konkrete Aufklärung (beispielsweise in Form eines Elternabends) über die geplanten Schritte ist wichtig. Zusätzlich empfiehlt es sich bei Sorgen und Anliegen Elterngespräche zu führen (Anleitung für ein Elterngespräch).

Begründung

Wurden die Eltern über die geplanten Schritte informiert, sollte der Einsatz digitaler Medien auch begründet werden. So kann eine frühe Medienerziehung dazu beitragen, Unterschiede in der Mediennutzung hinsichtlich Geschlecht, Sozial- und Bildungsmilieus zu verringern. Zudem lernen Kinder einen reflektierten, kritischen und aktiven Umgang mit digitalen Medien anstelle diese nur passiv zu konsumieren (BMBWF 2018; Theunert & Demmler 2007).

Vorbereitung

Um Medienerziehung in den Kindergartenalltag zu inkludieren, braucht es zunächst keine digitalen Geräte. Oft macht es den Kindern sogar mehr Spaß gemeinsam in der Gruppe mit Papier und Stift oder Legobausteinen ihre eigenen Geräte zu basteln und deren (imaginierten) Funktionen auszutesten. Dabei werden nebenbei auch haptische Fähigkeiten, die Kreativität und das soziale Miteinander gestärkt. Die Kinder lernen so bereits vor dem Einsatz digitaler Geräte Digitalität spielerisch kennen (Hajszan & Bäck 2020).

Reflexion

Ebenso wichtig wie die Vorbereitung der Kinder ist das regelmäßige Reflektieren und Hinterfragen in der Gruppe (Neuß 2017). Hierfür eignet sich beispielsweise der Morgenkreis, in welchem Erfahrungen geteilt werden. Auch die Erziehungsberechtigten sollten regelmäßig über Entwicklungen informiert werden (Friedrichs & Meister 2015).

Um Eltern von Medienerziehung in der Bildungsinstitution zu überzeugen, benötigt es viel Zeit, die nicht immer vorhanden ist. Dennoch sollten die Ängste der Eltern nicht ignoriert werden, um ein produktives Miteinander anzustreben. Abschließend bleibt zu betonen, dass die institutionelle Medienerziehung einen hohen Stellenwert einnimmt, denn in „einer Gesellschaft, in der die Medien Mitgestalter sozialen und öffentlichen Lebens und zugleich Partizipationsinstrumente sind, ist ihr systematischer Einbezug in die frühkindliche und vorschulische Erziehung Teil pädagogischer Verantwortung“ (Theunert & Demmler: 98).

Quellen

Altenthan, S., Betscher-Ott, S., Gotthardt, W., Hobmair, H., Höhlein, R., Ott, W., Pöll, R., & Raffalt, A. (2014). Pädagogik. Jugend & Volk.

BMBWF (2018). Medienkompetenzen. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulpraxis/uek/medien.html

Hajszan, M., & Bäck, G. (2020). Digitale Medienbildung in elementaren Bildungseinrichtungen. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. https://pubshop.bmbwf.gv.at/index.php?rex_media_type=pubshop_download&rex_media_file=ep_digitale_medienbildung_1.pdf

Friedrichs, H., & Meister, D. M. (2015). Medienerziehung in Kindertagesstätten – Nachhaltigkeitsüberlegungen im Anschluss an eine Fortbildungsinitiative. MedienPädagogik, 22, 1–23. https://doi.org/10.21240/mpaed/22/2015.05.28.X

Neuß, N. (2017). Tablets in Kinderhänden? Frühe Bildung, 6(4), 228–230. https://doi.org/10.1026/2191-9186/a000333

Theunert, H., & Demmler, K. (2007). Medien entdecken und erproben. Null- bis Sechsjährige in der Medienpädagogik. In: Theunert, H. (Hrsg.), Medienkinder von Geburt an: Medienaneignung in den ersten sechs Lebensjahren (S. 91-118). kopaed.